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COVID-19 veränderte Outcome und Behandlung von Darmkrebs in Schweden

Die COVID-19-Pandemie hatte auf Behandlung und Outcome von Patienten mit Darmkrebs in Schweden einen messbaren Effekt.
In der 1. Welle in 2020 wurden Tumoren in einem späteren Stadium entdeckt als im Jahr vor der Pandemie und die Patienten wurden fast doppelt so häufig mit einem Stoma versorgt, wie schwedische Forschende in JAMA Network Open berichten (DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.11065). Erstautorin Karolina Eklöv von der Abteilung für Klinische Wissenschaft und Ausbildung am Karolinska-Institut in Stockholm und ihre Kollegen gehen davon aus, dass diese Veränderungen vor allem dem Bestreben geschuldet waren, Komplikationen zu reduzieren und die Intensivstationen frei zu halten. In einer Kohortenstudie verglichen sie die Behandlung von Patienten mit Darmkrebs während der 1. Pandemiewelle 2020 mit dem entsprechenden Zeitraum im Jahr vor der Pandemie. Die Analyse basiert auf Daten des schwedischen Darmkrebsregisters aus den Jahren 2019 und 2020. Die Patienten stammten aus der Region Stockholm/Götland, die etwa 1/5 der schwedischen Bevölkerung umfasst.

Weniger Darmkrebsdiagnosen in der Pandemie
Insgesamt 1.140 Darmkrebspatienten, 51 % Männer, im Schnitt 74 Jahre (2019) bzw. 73 Jahre (2020) alt, wurden eingeschlossen. Es zeigte sich, dass von März bis Ende August 2020 weniger Patienten die Diagnose eines Kolorektalkarzinoms erhielten als im gleichen Zeitraum im Jahr davor (550 vs. 590 Patienten). Die Charakteristika der Patienten waren in beiden Jahren aber im Großen und Ganzen vergleichbar. Allerdings war das prätherapeutische Tumorstadium in 2020 weiter fortgeschritten als in 2019. Der Anteil an T4-Tumoren betrug im Pandemiejahr zum Beispiel 30 %, im Jahr vor der Pandemie hatte er dagegen bei 22 % gelegen (p<0,001). Unterschiede bei der Anzahl von Patienten mit metastasierten Tumoren gab es aber nicht.

Mehr Tumoren im fortgeschrittenen Stadium
„In der 1. Welle der COVID-19-Pandemie wurden im Vergleich zum Vorjahr 6,7 % weniger Kolorektalkarzinome diagnostiziert“, schreiben die Autoren. „Allerdings deutet die relative Zunahme an T4-Tumoren und Abnahme an T1-3-Tumoren darauf hin, dass weniger weit fortgeschrittene Tumore möglicherweise undiagnostiziert blieben.“ Der Anteil an Patienten, die sich einer laparoskopischen Operation unterzogen, die Zeit bis zur Operation und die 30-Tage-Komplikationen waren vergleichbar. Aber der Anteil an Patienten mit Karzinomen des Kolons, die mit einem Stoma versorgt wurden, verdoppelte sich zwischen 2019 und 2020 – von 17 % auf 30 % (absolutes Risiko 13 % [95-%-KI 6,8 %-20,0 %). Im Gegensatz dazu unterschied sich die Zahl der Stomata bei Rektumkarzinomen nicht zwischen 2019 und 2020.

Mehr Stomata zur Vermeidung von Komplikationen
„Dieser deutliche Anstieg bei der Stomaversorgung bei Patienten mit Kolonkarzinomen in der 1.Welle spiegelt wahrscheinlich das Bestreben der Operateure wider, den aktuellen Vorgaben entsprechend Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren und Aufenthalte auf der Intensivstation zu vermeiden“, schreiben Eklöv und ihre Kollegen.
Wie in vielen anderen Länder wurde auch in Schweden eine temporäre Leitlinie für die Versorgung von Darmkrebspatienten in der COVID-19-Pandemie herausgegeben. Ihr Hauptziel war es, die Versorgungs¬qualität aufrecht zu erhalten und die Belastung der Intensivstationen zu reduzieren, indem Komplikationen auf einem Minimum gehalten werden.

Weniger Lernchancen für junge Ärzte
Ebenfalls zu beobachten war, dass in der Pandemie in den 8 teilnehmenden Krankenhäusern weniger Ärzte in Facharztausbildungen an Resektionen beteiligt waren als 2019 (35 % vs. 27 %). Das absolute Risiko sank hier um 7,90 % (95-%-KI -15,00 % bis -0,55 %). „Die verringerte Beteiligung von Ärzten in Facharztausbildung lässt sich teilweise dadurch erklären, dass jüngere Ärzte verstärkt für die Behandlung von COVID-19-Patienten eingesetzt wurden“, so die Forschenden. Möglicherweise habe dahinter aber auch das Bestreben gestanden, die Operationszeiten sowie die Personenzahl im Operationssaal zu reduzieren. © aerzteblatt.de

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