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Neue klinische Leitlinien Divertikulitis veröffentlicht

Die meisten Patienten mit einer unkomplizierten Divertikulitis können ambulant behandelt werden, bei einigen seien zudem zunächst keine Antibiotika notwendig.

Diese Empfehlung gibt das American College of Physicians (ACP) in ihren neuen Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Darmerkrankung, die in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurden (2022, DOI: 10.7326/M21-2710). Mit der deutschen erst kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie stimmen die Emp­feh­lungen weitestgehend überein, mit einer Ausnahme in der Diagnostik.

Patienten mit komplizierter Erkrankung sollten nach der 1. Episode zur Koloskopie überwiesen werden, sofern kürzlich nicht bereits eine Koloskopie durchgeführt wurde. Bei Verdacht auf eine akute Diverti­kulitis empfiehlt die ACP eine abdominale Computertomografie.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e.V. begrüßte die amerikanische Leitlinie zur Diagnose und Management der Divertikulitis. „In wesentlichen Punkten entspricht sie unserer Leitlinie,“ sagte Ludger Leifeld, Chefarzt am St. Bernward Krankenhaus und Koordinator der deutschen Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. Diese war erstmals 2014 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) erschienen und wurde im November 2021 auf dem höchstem Evidenzlevel (S3) aktualisiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) haben eine S3-Leitlinie „Divertikelkrankheit / Divertikulitis“ vorgestellt. Die beiden Fachgesellschaften haben die Arbeit an der Leitlinie ausschließlich aus eigenen Mitteln bezahlt. Die Divertikulose ist in der Bei der unkomplizierten Divertikulitis bestünde Einigkeit, dass eine ambulante Führung der Patienten erfolgen könne, erläuterte Leifeld. „Dies setzt voraus, dass keine Zeichen einer schweren Erkrankung vorliegen, wofür eine klinische Untersuchung, die Erfassung von Komorbiditäten, eine Laboranalyse sowie eine Schnittbildgebung (Sonografie oder CT) notwendig sind“, so der Leitlinienkoordiantor weiter. Außerdem müsse eine engmaschige ärztliche Verlaufskontrolle auch im ambulanten Setting gewährleistet sein.

Ebenfalls stimmte die DGVS zu, dass bei Patienten mit unkomplizierter Divertikulitis, bei denen keine Risikoindikatoren vorliegen, auf Antibiotika verzichtet werden könne. „Antibiotika verhindern nicht, dass eine Perforation eintreten kann und verändern auch nicht den Verlauf der Erkrankung“, so Leifeld und verwies auf mehrere prospektive Studien.
Ausnahmen für Antibiotika

Zu beachten sei allerdings, dass in diesen Studien Patienten mit Risikoindikatoren ausgeschlossen wurden. „Risikoindikatoren die dafür sprechen auch bei der unkomplizierten Divertikulitis nicht auf Antibiotika zu verzichten, sind eine Immunsuppression, die Komorbidität, der schlechte Allgemeinzu­stand, hohes Fieber oder gar eine Sepsis sowie die Peritonitis“, erklärte der Chefarzt von der Medizini­schen Klinik III, Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie des St. Bernward Krankenhaus und ergänzt weitere Ausnahmen: ein hohes C-reaktives Protein (CRP) sowie die Einnahme von nicht- steroida­len Antirheumatika, Kortikoiden und Immunsuppressiva. Einen Unterschied erwähnte Leifeld jedoch: „Anders als die Amerikaner sehen wir die Sonografie in vielen Punkten als gleichwertig mit der Computertomografie bei Ersparung der Strahlenbelastung.“ Im Detail führe die Fachgesellschaft Vor- und Nachteile der Verfahren in der S3-Leitlinie auf.

Jeder 3. bis 2. Deutsche muss damit rechnen im Laufe seines Lebens Divertikel zu entwickeln. Dabei ent­zünden sich die Ausstülpungen der Darmwand, die Divertikel. Es wird zwischen einer unkomplizierten und einer komplizierten Divertikulitis unterscheiden, wobei eine symptomatische unkomplizierte Diverti­kel­krankheit (SUDD) sich durch Schmerzen kennzeichnet, die einen Bezug auf das divertikeltragende Segment haben. Es handelt sich um eine örtlich begrenzte Entzündung, während eine komplizierte Divert­ikulitis eine Entzündung ist, die mit einem Abszess, einer Phlegmone, einer Fistel, einer Obstruk­tion, einer Blutung oder einer Perforation einhergeht.

© aerzteblatt.de

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